Die erste Therapie zur Behandlung von Frauen mit bestehender HPV16-Infektion

Schon gewusst? Laut der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (kurz: OEGGG) ist der Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) eine der häufigsten Todesursachen bei jungen Frauen in Österreich. In über 99% aller Fälle, in denen Frauen an dieser Krebsart erkrankt sind, konnten Humane Papillomviren – kurz HPV – nachgewiesen werden. Laut dem Robert Koch Institut (kurz: RKI) sind inzwischen mehr als 200 verschiedene Genotypen der HP-Viren bekannt (Quelle: RKI, 2018).

HPV16-STUDIE ENTDECKEN

BlueSky Immunotherapies testet eine Therapie zur Behandlung einer HPV16-Infektion.

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Wie findet eine HPV-Übertragung statt?

Papillomviren werden im direkten menschlichen Kontakt übertragen. Eine HPV-Ansteckung erfolgt dann, wenn die Viren über Mikroverletzungen der Haut bzw. Schleimhaut eindringen und Epithelzellen infizieren. Damit sind die zellulären Elemente des Epithel- und Drüsengewebes gemeint. Humane Papillomviren siedeln sich auf der basalen Seite dieser Zellenart an – diese verbindet die Epithelzellen über eine Basalmembran mit dem darunter liegenden Gewebe. Hauptübertragungswege sind Vaginal-, Anal-, aber auch Oralverkehr. HPV ist deshalb ansteckend (Quelle: RKI, 2018).

Gesteigerte Wahrscheinlichkeit einer Krebsentstehung durch HPV16

Genitale HPV Typen werden in Hochrisiko- und Niedrigrisiko-Typen eingeteilt.

Die persistierende (bestehend bleibende) Infektion des Gebärmutterhalses durch Hochrisiko-HPV-Typen ist für die Entwicklung intraepithelialer Neoplasien verantwortlich. Diese Krebsvorstufen werden als CIN1 (niedrig-gradige Dysplasie) mit einem niederen Entartungsrisiko bezeichnet.

Besonders der HPV16 Virustyp neigt dazu, die Entstehung dieser Neoplasien zu fördern und auch als „Viruserkrankung“ im Gewebe zu bleiben. Daher ist HPV16 als HPV-Hochrisiko-Virustyp, so wie auch HPV18, HPV31 und HPV33, ernst zu nehmen. Bei Niedrigrisiko HPV-Typen ist dem nicht so. Das körpereigene Immunsystem kann die Papillomviren einfacher und besser bekämpfen.

In Abbildung 1 ist ersichtlich, dass bei niedriggradiger Dysplasie (CIN1) und bei Frauen mit normaler Gebärmutterschleimhaut HPV16 der am häufigsten nachgewiesene Virustyp ist (Quelle: HPV Information Centre, 2018, Daten aus Deutschland; keine Daten aus Österreich vorhanden).

Höhergradige Dysplasien wie CIN2 und CIN3 sind mit einem höheren bzw. sehr hohen Entartungsrisiko verbunden. Auch hier ist HPV16 der wichtigste Risikofaktor für die Krebsentstehung (siehe Abbildung 2, Quelle: HPV Information Centre, 2018, Daten aus Österreich).

HPV16-Persistenz begünstigt die Bildung von Gebärmutterhalskrebs

Viruspersistenz bedeutet, dass die Viren im Gewebe fortbestehen und das HP-Virus nicht oder nicht ausreichend vom körpereigenen Immunsystem bekämpft werden kann. Die Persistenz spielt eine entscheidende Rolle bei der Zervixkarzinogenese (Entstehung von Gebärmutterhalskrebs).

Das wurde unter anderem in einer Studie von Kjaer et al. (2010) nachgewiesen. In dieser Studie wurden mehrere Tausend Frauen im Alter von 20 bis 29 Jahren eingeschlossen, auf HPV-Infektionen untersucht und mehr als 12 Jahre lang nachbeobachtet.

Dabei zeigte sich, dass zu Studienbeginn 24,2% aller HPV-positiven Frauen mit normaler Zervixzytologie eine HPV16-Infektion hatten, bei 29,4 % der Frauen mit HPV16-Infektion das HP-Virus persistierte und innerhalb von 12 Jahren bei 47,4 % dieser Frauen CIN3 oder sogar ein Zervixkarzinom diagnostiziert wurde (siehe Abbildung 3, Quelle: Kjaer et al., 2010).

Mit anhaltender Persistenz, je länger die HPV-Infektion andauert, steigt das Risiko einer Progression, also das Fortschreiten der Krankheit, gegebenenfalls auch die Entstehung von Krebs.




Eine Infektion mit HPV16 hat die höchste Tendenz zum Fortbestehen und die höchste Wahrscheinlichkeit für eine Progression. Gleichzeitig weist dieser Virustyp die niedrigste Wahrscheinlichkeit für eine Selbstheilung auf (siehe Abbildung 4, Quelle: Rodriguez et al., 2008).

Wie finde ich heraus, ob ich HPV16 habe?

Hochrisiko-HP-Viren können vom Immunsystem des Körpers schwer entdeckt werden, das Virus versteckt sich in den Zellen des Körpers. Deshalb empfehlen Organisationen, wie zum Beispiel die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), das Robert Koch Institut (RKI) und die WHO, dass jede Frau regelmäßig einen HPV-Test machen sollte, um Hochrisiko-HPV sofort zu erkennen. So startete im Januar 2020 zum Beispiel das neue Gebärmutterhalskrebs-Vorsorgeprogramm in Deutschland. Dieses sieht vor, dass Frauen ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf ein kombiniertes HPV-Screening aus zytologischer Untersuchung und HPV-Test haben (Quelle: Deutsches Bundesministerium für Gesundheit).

HPV16 ist aktuell nicht therapierbar

Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen sind die weltweit am häufigsten durch HPV hervorgerufenen Erkrankungen. Genitale HPV-Typen können aber auch Vulva, Scheide, Penis oder After sowie Schleimhäute im Mund, Rachen und Kehlkopf infizieren und dort Krebs hervorrufen. HPV16 zählt dabei zu den häufigsten bei diesen Erkrankungen nachgewiesenen HPV-Typen. Eine HPV-Impfung wirkt prophylaktisch (vorbeugend) und kann vor einer Infektion mit bestimmten HPV-Typen und deren Folgeerkrankungen schützen. Sie hat jedoch keinen therapeutischen Effekt auf bereits bestehende HPV-Infektionen und Gewebeveränderungen.

BlueSky Immunotherapies forscht an der ersten Therapie zur HPV16-Behandlung

In unserer HPV16 Studie geht es erstmals um eine therapeutische Behandlung für Patientinnen, die eine bestehende HPV16-Infektion haben. Sie erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Krankenhaus (AKH) der Stadt Wien und der Medizinischen Universität Wien. Es soll die Wirkung und Sicherheit des Immuntherapeutikums FluBHPVE6E7 gegen das HPV16-Virus untersucht werden. Zukünftig soll die weltweit neuartige Therapie bei Patientinnen, die bereits HPV16 assoziierte Krebsvorstufen oder Karzinome diagnostiziert bekommen haben, zur Behandlung angewendet werden.

HPV16-STUDIE ENTDECKEN

BlueSky Immunotherapies testet eine Therapie zur Behandlung einer HPV16-Infektion.

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Quellenverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
  • Abbildung 1: Höchste Prävalenz von HPV16 bei Frauen mit niedriggradiger Dysplasie und normaler Zytologie
  • Abbildung 2: Höchste Prävalenz von HPV16 bei Frauen mit höhergradiger Dysplasie und Zervixkarzinom
  • Abbildung 3: Bei 47,4% der Frauen mit HPV16 Persistenz hat sich innerhalb von 12 Jahren CIN3+ entwickelt
  • Abbildung 4: Niedrigste Selbstheilungsrate, höchste Persistenz und Progressionsrate von HPV16 in allen Altersstufen